Stationen einer Reise

Eine Produktion der HillAc
2003 - 2007

Sechste Etappe

- Auf dem neuen Markt des Königs -

Unmittelbar nach Dir verlässt die Kartenlegerin das Wirtshaus.

„Wird bald hell, muss jetzt fort.“

„Habe noch etwas für Dich.“

Im Vorbeigehen reicht sie Dir eine Zeichnung.

Du möchtest Dich bedanken. Doch als Du aufschaust, siehst Du nur noch einen Schatten in der Liliová verschwinden.

Du schaust Dir die Zeichnung an.

- - - Schnitt - - -

Du siehst die Schatten der Wolken über den Platz ziehen. Aus der Luft hörst Du die Schreie der Möwen. Es ist warm. Von der See her weht ein erfrischender Wind. Du atmest tief durch.

Zwei Damen mit einem Hund spazieren über den Platz.

„Nach neun Monaten, ist er nun endlich wieder zurück.“

„Jetzt müssen wir uns keine Sorgen mehr machen.“

Zwei Herren bewegen sich rechts aus Deinem Blickfeld. Sie unterhalten sich. Der eine trägt eine Zeitung unter dem Arm. Die Zeitung ist von 22. Juli.

„Werden Sie auch am 24. das Konzert besuchen?“

„Aber selbstverständlich.“

Vor Dir eine Kutsche. Der Fahrgast, ein elegant gekleideter Herr. Das Reisegepäck auf der Ladefläche.

Die Kutsche nähert sich zielstrebig dem Gebäude rechts von Dir. Ein Hotel.

Während der elegant gekleidete Herr das Hotel betritt, ist der Kutscher damit beschäftigt, das Reisegepäck abzuladen.

Hinter Dir eine hohe, klare Stimme.

„Da bist Du ja endlich. Seit 14 Tagen warte ich hier täglich auf Dich. Morgen wäre ich nicht mehr hier gewesen.“

Du drehst Dich um.

Die Stimme gehört einem Jungen. Etwa zehn Jahre alt. Blondes, mittellanges Haar. Strahlend blaue Augen. Er geht auf Socken.

Er ist gut gekleidet, sein Rock aus Seidenzeug, aber es ist Dir nicht möglich zu sagen, welche Farbe er hat, denn er glänzt grün, rot und blau, gerade wie er sich dreht.

Seltsam. Unter jedem Arm hält er einen Regenschirm, den einen mit Bildern drauf, auf dem anderen ist gar nichts.

„Du hast doch etwas mitgebracht. Gib es mir.“

Du überreichst ihm das Manuskript.

Du möchtest ihm noch etwas sagen. Doch da ist er schon auf dem Weg zum Hotel.

Kurz bevor der Kutscher mit dem letzten Gepäckstück in der Eingangstür verschwindet, hat der Junge bereits das Hotel betreten.

Du schaust Dich auf dem Platz um. Viele Prachtbauten. Im Souterrain des Hauses mit der Nummer 19 entdeckst Du eine Weinstube.

Es haben sich noch nicht viele Gäste eingefunden.

Du suchst Dir einen ruhigen Platz und lauschst der Unterhaltung zweier Herren, die an einem Tisch ganz in Deiner Nähe sitzen.

„Seit Mittag ist er wieder in der Stadt.“

„Ja, hat sich schnell rumgesprochen. Wir sind seit 33 gut befreundet. Damals, Weihnachten in Rom.“

„Ich kenne ihn seit 30. Damals suchte er jemanden, der ville saette musik til hans operatekst Ravnen.“

„Habe ihn vorhin kurz gesprochen. Er schaut später hier rein. Hat versprochen, einen Überraschungsgast mitzubringen. Kein Unbekannter.“

„Wie geht es mit dem Museumsbau voran?“

„Wir arbeiten jetzt fast zwei Jahre dran. Machen gute Fortschritte. Denke, dass wir in etwa drei Jahren fertig sein werden.“

Du verspürst plötzlich einen kalten Luftzug. Sehr kalt.

Fortsetzung folgt ...