Zeitblick / Das Online-Magazin der HillAc - 29. Juni 2010 - Nr. 37

Begegnungen mit Tarot

Die neun Schwerter - Erlebter Schutz

Einmal im Monat traf sich unser Reiki-Kreis, und wir genossen es, bei einander zu sein und die Kraft von Reiki fließen zu lassen. Wir tauschten Erfahrungen, fanden Rat in schwierigen Situationen und ließen einander an den spannenden Themen teilhaben, mit denen wir uns beschäftigten.

An jenem Abend wollten wir uns ganz und gar auf Reiki konzentrieren, auf das Auflegen der Hände. Unsere Reiki-Meisterin wählte meditative Musik aus und bat uns, uns selbst die Hände aufzulegen, jeder für sich und an genau der Körperstelle, wo es am wohltuendsten war. Ich hatte einen langen Tag am Computer hinter mir. Nun saß ich bequem in einem Rattansessel. Nichts lag näher, als mich einfach nach vorn zu neigen, die Augen zu schließen und das Gesicht in meine Hände zu legen, die Augen geborgen in dieser wohltuenden samtweichen Dunkelheit.

Angenehme Wärme durchströmte mich, die Mulde in meinen Handflächen schien für mein Gesicht wie geschaffen zu sein. Und mitten in dieser Ruhe und Geborgenheit stieg in mir das Bild auf, mit dem ich am wenigsten gerechnet hatte. Ich sah mich in die Karte 9 Schwerter versetzt, wie sie Pamela Coleman Smith gestaltet hat. Immer hatte ich darin ein Bild von Kummer, Schlaflosigkeit und Resignation gesehen. Und nun erlebte ich diese Szene ganz anders.


"Neun Schwerter" aus den Tarotkarten
von Arthur E. Waite & Pamela Colman Smith (1)

Es tat so gut, ganz bei sich zu sein und die Geborgenheit der eigenen Hände zu genießen. Wenn ich hätte weinen mögen, dann hätte ich den Tränen freien Lauf lassen können, ohne auf Blicke der Anderen achten zu müssen. Doch nach Tränen war mir gar nicht zu Mute. Vielmehr verschafften mir diese ruhigen warmen Hände die Wohltat, meine müden Augen zu schließen und mein inneres Auge zu öffnen, schweifen zu lassen und neue innere Bilder wahrzunehmen. In meinem Empfinden bildeten meine angewinkelten Arme mit dem nach vorn geneigten Oberkörper, den sie stützten, ein perfektes Dreieck, so dass mein Körper in dieser stabilen Haltung ruhte.

Ich spürte auch die Schwerter an der Wand. Und ich sah, sie waren befestigt über meinem eigenen Bett, an einer meiner eigenen vier Wänden. Sie gehörten mir selbst und hingen griffbereit dort, um mich zu schützen an einem Ort, wo ich im Schlafen wie im Wachen am verletzlichste bin. Die Schwerter waren in dieser Minute wie ein Schutzschild gegen die Bedrohungen des Lebens. Und so bewacht und behütet fühlte ich mich auf einmal sehr wohl und sicher. Ich hatte alle Kräfte griffbereit, die ich brauchte, um mit den Härten des Lebens zurechtzukommen.

© Annegret Zimmer

(1) Mit freundlicher Genehmigung des Königsfurt-Verlags. © Königsfurt Verlag, Krummwisch.

Annegret Zimmer lebt und arbeitet in Halle/Saale und ist Gründungsmitglied des Tarot e.V. Erster Deutscher Tarotverband.