Zeitblick / Das Online-Magazin der HillAc - 21. März 2008- Nr. 28

 

In Hamburg

Ein Kreuzweg


Das Projekt "Kreuzwege" findet nach 2004 und 2005 in diesem Jahr das dritte Mal statt. 2004 (in den Passionswochen) stand es unter dem Titel "Kreuzwege durch verdrehte Welten". 2005 (zwischen Ostern und Himmelfahrt) stand es unter dem Titel "Kreuzwege zwischen Himmel und Erde".


Hauptkirche St. Katharinen, 13. März 2008 / Foto: HillAc

In diesem Jahr startete das Projekt am 2. März - Lätare - unter dem Titel "LUMEN CHRISTIE'S" mit einem Eröffnungsgottesdienst in der Hauptkirche St. Katharinen und wird am 6. April - das ist der zweite Sonntag nach Ostern - mit einem Abschlussgottesdienst enden. "LUMEN CHRISTIE'S, Kreuzwege 2008" ist eine Kooperation der Hauptkirche St. Katharinen mit überNormalNull, Büro für Kunst, Bauen und Stadtentwicklung, der Hochschule für bildende Künste (HFBK) und der Kunstkompanie HafenCity e.V..

In Flyer ist zu lesen: ". . . Kreuzwege 2008, präsentiert Kunst im öffentlichen Raum und inszeniert die Tradition des Kreuzwegs als Dialog von Kunst, Kirche und Stadtentwicklung in Altstadt, Speicherstadt und HafenCity."


In der Altstadt (Katharinenviertel): Der südlich des Katharinenfleets gelegene Teil der Reimerstwiete zeigt noch das alte Straßenprofil. An der Westseite sind fünf Wohn- und Speicherhäuser aus der 2. Häflte des 18. Jahrhunderts erhalten. Sie zeigen eine Fachwerkbauweise, die Hamburg bis in das 19. Jahrhundert hinein prägte. Foto: HillAc, 15. März 2008


In der Speicherstadt: Ein Blick von den Kippelstegbrücken über den Brooksfleet in Richtung Kehrwiederspitze. Foto: HillAc, 15. März 2008


In der HafenCity: Die Dalmannkaipromenade. Foto: HillAc, 15. März 2008

Es ist ein Weg, es ist ein Rudgang, es ist ein "Pilgerweg", der den "Pilger" von der Hauptkirche St. Katharinen aus zunächst durch das Katharinenviertel, dann durch die historische Speicherstadt und schließlich durch die HafenCity und wieder zurück zum Ausgangspunkt führt.

Die Hauptkirche St. Katharinen wurde erstmalig in einer Urkunde aus dem Jahre 1256 erwähnt. Die Speicherstadt wurde mit Unterbrechungen in drei Abschnitten in der Zeit von 1885 bis 1927 errichtet. Die Idee der HafenCity wurde erstmalig 1997 vom damaligen Ersten Bürgermeister Henning Voscherau publiziert. Gegenwärtig ist die HafenCity die größte innerstädtische Baustelle Europas.


Am Kaiserkai - Baustellen / Foto: HillAc, 8. März 2008

Aber die Geschichte - und damit auch die Funktionen und das Erscheinungsbild dieser drei sehr unterschiedlichen Stadtteile - ist nur ein Aspekt der "Kreuzwege 2008". Sollte eigentlich genug sein - denkt man, denn bei der Unterschiedlichkeit dieser Stadtteile wird der "Pilger" z.B. mit Grenzen, mit Schnitten, mit Erinnerungen, mit Traditionen und mit Visionen konfrontiert. Eine großartige Mischung, die jedem "Pilger", der sich darauf einlässt, eine Herausforderung bedeuten kann. Doch diese Erfahrungen könnte man jederzeit machen. Warum dann das Projekt "Kreuzwege"?

Die Antwort auf diese Frage fand ich in der Projektbeschreibung von Frank Engelbrecht (Pastor Hauptkirche St. Katharinen) und Rolf Kellner (überNormalNull / KuBaSta e.V.). Dort ist zu lesen: "Die Kreuzwege des hier beschriebenen Projektes nehmen die formale Struktur der traditionellen Kreuzwege auf - den Weg durch die Stadt, die Stationen, an denen die "Pilger" innehalten, . . ."

- - -

Die Kreuzwege-Station 4: Gehst Du über die Jungfernbrücke Richtung Speicherstadt, so wirst Du am Brückenende direkt über der ehemaligen Zollstation einen Spiegel entdecken, in dem Du Dich selbst betrachten kannst, wie Du über die Brücke gehst. Hinter Dir die Altstadt mit der Hauptkirche St. Katharinen, und vor Dir die Speicherstadt.


Station 4 / Adriane Steckhan, "Gegenschnitt" - Foto: HillAc, 10 März 2008

Auf dem Info-Blatt zu dieser Station ist zu lesen: "Der Titel verweist auf das filmische Stilmittel des Gegenschnitts, der in dieser Arbeit im Sinne einer dialektischen Montage verwendet wird. Während der Betrachter über die Jungfernbrücke auf Speicherstadt und HafenCity zugeht, erscheint in der Gegenperspektive . . . die hinter ihm liegende Stadt . . . , von der er sich fort-, und auf die er sich gleichzeitig zubewegt. Der Betrachter wird konfrontiert mit der Vergangenheit und Zukunft der Stadt, sowie mit seinem eigenen Abbild hinter einer Barriere aus Stacheldraht. . . ."

- - -

"Stationen" und "Innehalten": Für die "Kreuzwege 2008" haben Künstler und Künstlerinnen mit ihren Skulpturen, Bildern und Installationen 14 Stationen auf dem "Pilgerweg" markiert, die zum Innehalten und damit zum Nachdenken anregen sollen. Dies ist gelungen. Wer bereit ist, an den Stationen innezuhalten, der kann in die Themen hineinwachsen und die daraus erhaltenen Impulse individuell reflektieren und in ganz persönliche Erfahrungen und Einsichten umsetzen. Dies können auch herausfordende Erfahrungen und Einsichten sein.

---

Die Kreuzwege-Station 7: Am Südufer des Zollkanals, etwa zehn Meter westlich der Kippelstegbrücken, ist am alten Zollzaun - der bis vor wenigen Jahren noch die Grenze zum Freihafen markierte - eine Installation von Arne Lösekann zu erleben. Die Installation hat den Namen "kreuz am zaun_ein ausWEG".


Station 7 / Arne Lösekann, "kreuz am zaun_ein ausWEG", Foto: HillAc 15. März 2008

Auf dem Info-Blatt zu dieser Station wird Arne Lösekann zitiert: "1650 dias und fundstücke bilden den eigenen kleinen kreuzweg eines nach erlösung suchenden hamburgers. jedes element steht für einen meter der exakt 1650 metern langen "Via Dolorosa" in jerusalem, die jesus nach der verurteilung bis zum ort der kreuzigung gegangen sein soll. die objekte sind am alten zollzaun fixiert, den äußeren witterungsbedingungen und der willkür der menschen augeliefert. sie stemmen sich im lauf der beschau weiter gegen die widrigkeiten des lebens, laden sich aber auch durch die neuen impulse weiter auf und entwickeln sich weiter zu einem möglichen neuen fiktiven weg."

Es ist durchaus möglich, dass Besucher diese Installation um weitere Objekte ergänzen. Dies soll auch schon vorgekommen sein. Es besteht aber auch die Gefahr, dass verhandene Objekte von Besucher abgehängt werden. Übrigens - das Schild mit der Beschriftung "Parken verboten!" gehört nicht zur Installation.

- - -

Die Kreuzwege-Station 10: Auf der Dalmannkaipromenade direkt neben dem Restaurant Kaisers sind 22 Quadrate in unterschiedlichen Farben so angeordnet, dass sie ein Kreuz ergeben - eine Installation von Carola Zech mit dem Namen "Colours of the light".


Station 10 / Carola Zech, "Colours of the light", Foto: Hillac, 10 März 2008

Auf dem Info-Blatt zu dieser Station ist zu lesen: "Everything seems to be joinied to the life´s system by a magnetic, loving energy. The colours, which radiate chromatic energy on the sensitive bodies of the persons, are part of this system. The bodies tremble in attractions and rejections, showing us the mystery of the light and of the color. The persons, from your corporeal materiality, also magnetic, are also connected one to the others by this powerful energy. I choose colours as a metaphor for persons. In the vertical and horizontal cross´ territory could born and live the infinite colours of the light."

- - -

Die Kreuzwege-Station 14: Auf dem kleinen Platz vor dem Chorfenster der Hauptkirche St. Katharinen steht eine Skulptur des Künstlers Jörg Plickat, die Maria als Mater Dolorosa - die "Schmerzreiche Mutter" - mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus Christus darstellen soll. Eine Pietá - so nennt man die Darstellung dieser Szene in der bildenden Kunst.


Station 14 / Jörg Plickat, Pietá - Foto: HillAc, 10. März 2008

Auf dem Info-Blatt zu dieser Station wird Jörg Plickat zitiert: ". . . Ich habe in meiner Annäherung an dieses Thema viele spätromanische und gotische Pietá-Darstellungen betrachtet. Auffallend ist immer wieder die streng geometrische Komposition unter der figürlichen Oberfläche. Sehr häufig wurde das Dreieck für die Mariendarstellung und das Kreisbogensegment für den sterbenden Jesus gewählt. . . ."

- - -

Mit der Station 14 sind wir zur Hauptkirche St. Katharinen zurückgekehrt. Hier enden die Führungen. Bis zum 6. April bleiben die Stationen bestehen. Danach werden die Kunstwerke abgebaut. Bis dahin finden jeweils montags bis freitags um 17:00 Uhr und sonntags um 13:00 Uhr Führungen entlang der Bilder, Skulpturen und Installationen durch die Altstadt, die Speicherstadt und die HafenCity statt. Wer sich ausführlich über das Projekt und weitere Termine informieren möchte, der kann dies unter www.kreuzwege.net tun. Ein Besuch sei jedem empfohlen. So kann jeder seinen eigenen Kreuzweg gehen.

Jesper Soerensen