Der Zimmermann

Eine Produktion der HillAc
im Auftrag DER JURY

11. Dezember des Jahres 2004 nach deiner Zeitrechnung.

Die achte Etappe unserer Zeitreise "Der Zimmermann" wird veröffentlicht.

Jesper Sörensen

Achte Etappe

- Geschafft -

11.30 Uhr, 800 Meter unter ihnen fährt ein kleiner Dampfer in die Bucht ein. Winzige, sich bewegende Gestalten fesseln ihre Blicke. Sie schütteln einander schweigend die Hände.

Du schaust ihnen zu.

Sie sind zu dritt. Ihr Haar ist verfilzt. Ihre bärtigen Gesichter sind schwarz vom Tranrauch. Sie sind ungewaschen. Ihre Kleidung tragen sie nun schon fast ein Jahr lang ununterbrochen. Sie ist unbeschreiblich schmutzig und völlig zerlumpt. Drei heruntergekommene Landstreicher.

Du siehst nicht anders aus. Nur gut, dass dich niemand bemerkt.

15.00 Uhr, in der Nähe der Station. Begegnung mit zwei Jungen. Einer der Männer fragt nach dem Haus des Stationsleiters. Die Jungen starren ihn entsetzt an und rennen voller Furcht davon.

Sie gehen weiter. Durch die Außenbezirke der Station. Durch eine Baracke. Ein alter Mann flüchtet vor ihnen.

Am Hafenkai. Der Vorarbeiter, Matthias Andersen, ist auf seinem Posten.

"Wer seid ihr?"

"Wir haben unser Schiff verloren und sind über die Insel gekommen. Wir möchten den Leiter der Station sprechen."

Ein prüfender Blick. - "Folgt mir!"

Schweigend gehen sie auf das Haus des Stationsleiters zu.

"Ja bitte? Was ist?"

Einer der zerlumpten Männer nennt seinen Namen.

"Kommen sie doch herein. Kommen sie herein. Bitte!"

"Wir haben drei Männer auf der anderen Seite dieser Insel zurücklassen müssen. 22 Männer befinden sich 800 Seemeilen südwestlich von hier auf einer anderen Insel. Wir müssen sie retten."

"Ich werde alles in die Wege leiten."

"Sagen sie mir, wann war der Krieg vorbei?"

"Der Krieg ist nicht vorbei. Millionen Menschen werden abgeschlachtet. Die ganze Welt ist wahnsinnig."

Noch am gleichen Abend, 22.00 Uhr, läuft ein Walfangboot aus. Es soll die drei Männer auf der anderen Seite der Insel abholen. Frank Worsley ist an Bord, um die Stelle zu zeigen, an der die drei zu finden sind. Es fängt an zu schneien.

Für zwei Männer ist es heute die erste Nacht - seit langem - in einem richtigen Bett. Sie fallen in einen tiefen und traumlosen Schlaf.

Aus dem Schnee wird in der Nacht ein heftiger Schneesturm. Eine tiefe Schneedecke überzieht die Station. Die Schneewehen reichen bis zu den Dächern.

Du schaust in das tobende Weiß.

"Das war knapp. Diese Nacht hätten wir da draußen nicht überstanden."

Schneeflocken. Tanzende Schneeflocken. Vom Wind getriebene Schneeflocken. Sehr viele. Dein Blick verliert sich im Schneetreiben. Du taumelst. Jede Schneeflocke ein Universum, einzigartig und schön. Jetzt bist du ganz von ihnen umgeben. Du wirst von einem Wirbel erfasst. Zeit und Raum lösen sich auf.

Zurück!

Fortsetzung folgt ...


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